StartseiteArtikelCafe con Leche in Candelaria (Teneriffa) und Puchero Canario

Das Ergebnis des neuen Tarifvertrages ist, dass der Blogger sein Privileg auf 30 Tage Urlaub behalten wird. In Frage gestellt wurde es durch ein Urteil des Verfassungsgerichtes. Das Gericht mahnte eine Gleichbehandlung aller Gruppen und Altersklassen an. Gerechtigkeit und Gleichbehandlung ist natürlich zu begrüßen. Aber wer will schon dabei als Verlieren dastehen. Uff! Nochmal gut gegangen. Das ist passiert, während der Blogger das Objekt des Streites genießen konnte: nämlich Urlaub. Einen Dank an die Kollegen, die das durchgeboxt haben.

Für die Planung eines Urlaubes entwickelt jede Familie gewisse Standards, die eingehalten werden müssen. Ein Standard für uns ist, dass wir immer Selbstversorger sein wollen: also keine Hotelbeköstigung mit Frühstücksbüffet und dergleichen. Ok, die Nil-Kreuzfahrt kurz vor dem Umsturz in Ägypten einmal außen vor. Eine weitere Regel ist, dass wir vom Urlaubsquartier aus in mindestens 15 Minuten zu Fuss oder mit dem Auto ein Café erreichen wollen. Wir sind dann vermutlich in Frankreich, Italien oder Spanien. Warum sollte man sich dann im Ferienhaus einen Filterkaffee aufbrühen? Also: „Kaffee nur draußen“ ist die Devise. Das funktioniert natürlich nur, weil wir zum Frühstück noch Teetrinker sind. Erst im Laufe des Tages giert es uns nach Kaffee; so gegen 11 Uhr stellt sich dieses Gefühl ein.

Besonders der spanische Kaffee hat es uns angetan. Der Grund ist vermutlich ein Röstverfahren, das sich Torrefacto nennt und in Spanien sehr verbreitet ist. Dabei wird beim Rösten Zucker zugegeben, sodaß die Bohnen karamelisieren. Ein Anteil von 20 bis 30% dieser Bohnen wird mit normal gerösteten Bohnen gemischt, bevor der Kaffee gemahlen wird.

Das Bestellen des Kaffees in der Landessprache bekommen wir gerade noch hin. Doch irgend wie lesen die Kellner trotzdem an unserer Nasenspitze unsere Nationalität ab. Die sind in ihrem Fach eben Profis. Und wir versuchen uns als Profis in den Kategorien „Abhängen“, „Schillen“ und „Müßiggang“ zu beweisen. Die folgenden Bilder zeigen einen Platz an dem wir im vergangenen Teneriffa-Urlaub oft bei Cafe con Leche gesessen haben, und Zeit haben Zeit sein lassen. Der Ort heißt Candelaria.

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Die lebensgroßen Statuen der Guanchenfürsten strahlen Würde, Stärke und auch Milde aus. Die Guanchen waren die Ureinwohner der Kanarischen Inseln. Die Spanier hatten einiges an ihnen zu knacken. Im Norden von Teneriffa, unweit von Porte del la Cruz, ist der Ort La Mantanza – das Gemetzel. Da haben die Spanier 1494 eine Schlacht gegen die Guanchen verloren. Und daneben ist der Ort La Victoria – der Sieg. Zwei Jahre nach der Niederlage konnten die Spanier hier die endgültige Oberhand erringen. Über die Herkunft der Guanchen weiß man nicht viel. Sie waren groß und blond; es waren also weder Afrikaner oder Amerikaner . Erfreulicher Weise hat man heute auf den Kanaren ein aufgeschlossenes und entspanntes Verhältnis zu dieser Vergangenheit.

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Hier ist noch ein „Who is Who“ der Guanchenfürsten

Ebenso entspannt, wie mit den Guanchen, geht man in Candelarias auch mit den Touristen um. Obwohl hier die Einheimischen den Ton angeben, sind Touristen willkommen und wir müssen uns nicht als außerirdischer Eindringlinge fühlen. Wenn man vom Flughafen Süd über die Autobahn nach Norden Richtung Santa Cruz fährt (oder man kommt von der entgegengesetzten Richtung), ist es kein Aufwand hier herauszufahren um eine Pause einzulegen. Der Ort liegt dicht gedrängt zwischen Autobahn und Küste. Also fährt man bergab in den Ort hinein und landet schnell auf einem Parkplatz am Hafen. Hat man dann das Meer im Rücken, geht es rechts zu dem kleinen Hafen und links zu einer Fußgängerstraße mit einigen Läden. An deren Ende trifft man auf den Platzt mit der Basilika. Sonntags muss man mit etwas Trubel rechnen, denn die Basilika ist als Wallfahrtsziel bei den Inselbewohnern sehr beliebt.

Es gibt auch einen kleinen Markt, der samstags und sonntags morgens und mittwochs nachmittags stattfindet. Vom Parkplatz aus ist er nicht zu verfehlen. Hier kann man Gemüse von lokalen Bauern kaufen. Nichts Spektakuläres, doch alles von guter Qualität. Wir kaufen Kartoffeln, Süßkartoffeln, Möhren, Zwiebeln, Lauchzwiebeln, Lauch, Knoblauch, Tomaten, Zucchini und Zitronen. Außerdem wanderten noch eine Mojo-Sauce, eine Marmelade und ein Ziegenkäse in unseren Einkaufsbeutel. Gegenüber vom Parkplatz ist ein Supermercado, in dem man den Rest einkaufen kann. Natürlich Wein: erfreuliche Rotweine aus dem Norden (Tacoronte, ab 6,50 Euro), ausgezeichnete Weißweine aus dem Osten (Güímar, ab 9,50 Euro).

Auch unser Vermieter hatte uns so eine Flasche Güímar als Gastgeschenk hingestellt. Womit wir jetzt in unserer Guanchenhöhle sind. „Guanchenhöhle“ stimmt natürlich nicht. Das Anwesen nennt sich „Finca“. Aber das stimmt auch nicht. Vielleicht war hier früher mal eine Finca, und vielleicht hatten hier lange davor sogar Guanchen in Felsnischen gehaust. Wir sind in dem Hinterland von Candelaria. Es geht sanft bergauf. Doch immer wieder geht es auch steil bergab in einen Barranco hinein, wenn man rechts oder links von der Hauptstraße abzweigt. Eine sehr schmale aber asphaltierte Straße ist der Zugang zu 6 oder 8 bewohnten Grundstücken. Gott sei Dank ist uns hier niemals jemand entgegengekommen.

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Wie man auf den Bild sieht, gab es sogar eine Straßenlaterne. Im Bild verborgen ist ein Autostellplatz und ein Swimmingpool. Obwohl das Ferienhaus äußerlich einfach und spartanisch wirkt, hatte es doch alles, was der Urlauber so erwartet. Wir hätten sogar Filterkaffee kochen können. Oder wir hätten Fernsehen gucken können.

Kommen wir jetzt zum Kochen. Vor zwei Jahren in Gran Canaria hatten wir auf einer Tour durch die Berge in einer einfachen Gaststätte einen ausgezeichneten Eintopf gegessen. So etwas schwebte mir jetzt im Kopf herum. Dieses Mal waren unsere Touren kulinarisch nicht so erquicklich. Nur in Bezug auf den landschaftlichen Eindruck, sind wir wieder voll auf unsere Kosten gekommen. Auf ein Restaurant an einer Wegkreuzung im Anaga-Gebirge hatten wir große Hoffnungen gesetzt, weil wir hier 1988 bei unserem ersten Teneriffa-Aufenthalt ausgezeichnet gegessen hatten. Leider stand das Gebäude nun leer im Wald herum. Wir haben uns dann entschieden, die Suppe, die ich im Kopf hatte, selbst zu kochen: Irgend etwas an Fleisch und verschiedene Gemüse, Flüssigkeit und langsam und lange köcheln lassen.

Nachträglich habe ich recherchiert und erfahren, dass wir eine „Puchero Canario“ gekocht haben. Fleisch und Gemüse wollten wir im Supermarkt einkaufen. Doch eine genaue Vorstellung von dem, was wir brauchten oder was wir haben wollten, hatten wir nicht. Ziegenfleisch war eine Idee! Das gab es aber nicht. An der Frischetheke hatte man ausgelöste und marinierte Hähnchenoberkeulen. Die Marinade bestand im wesentlichen aus Öl und Kräutern. Das war tolerierbar. Jetzt fehlte noch das Gemüse. Im Gemüsebereich des Supermärktes haben eingeschweißte Portionen mit vorbereitetem Gemüse dominiert. Kurzerhand haben wir uns für eine Packung Gemüse-Mix entschieden. Niemals wären wir darauf gekommen, uns dieses Sortiment einzeln zusammenzusuchen. Doch genau durch diese Mischung haben wir vermutlich den richtigen Charakter der Puchero Chanario getroffen.

Zuerst das Fleisch salzen und in Olivenöl leicht anbraten. Dann kommen kleingenschnittene Zwiebeln dazu und nach und nach auch das Gemüse aus dem Mercadona-Pack, welches auch kleingeschnitten wurde, aber nicht zu fein. Das Gebinde bestand aus Möhren, Lauch und Zucchini sowie Stücken von Weißkohl, Kürbis und Meiskolben und schließlich eine Hand voll ngrüner Bohnen. Ich ergänze noch mit Zwiebeln und Kartoffeln. Einigen Zehen Knoblauch mit dem Messer andrücken, die Schale entfernen und grob zerkleinern. Hinein. Ein Hand voll Speckwürfel. Hinein. Etwas kann das Gemüse anrösten, aber nicht zu stark. Das verhindern wir mit einem Schuss Weißwein. Was fehlt noch? Ein paar Tomaten, Lorbeerblätter und Peperoni. Zuletzt mit weiterem Weißwein aufgießen, aber auch mit Wasser. Bis alles gut mit Flüssigkeit bedeckt ist. Salzen und Pfeffern.

Es wiederstrebt mir, hier irgend welche Mengenangaben zu machen. Wie auch immer wird das Ergebnis eine riesige Portion sein, die für zwei Tage reicht. Vergleicht man die Rezepte, die man über Google im Internet findet, so wird klar, dass man großen Gestaltungsspielraum hat. Oft wird zweierlei Fleisch verwendet (z.B. Huhn und Rind), oft kommen noch Kichererbsen hinzu und oft nimmt man Süßkartoffeln statt Kartoffeln. Statt Speck wäre auch Chorizo zu empfehlen.

Man kann etwas Baguette dazu reichen, und am zweiten Tag zur Abwechslung Reis.

Die Geschichte endetete bei 3 Grad Celsius am Flughafen Düsseldorf.


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